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Roulette

Das Roulette-Rad ist das bekannteste Symbol des Kasinos – und eines der am besten verstandenen Wahrscheinlichkeitsexperimente der Spieltheorie.

2,70 % Hausvorteil
Europäisch
Roulette-Kessel aus der Vogelperspektive – technische Darstellung der Sektoren

Der Roulette-Kessel: Aufbau und Logik

Der europäische Roulette-Kessel enthält 37 Felder: die Zahlen 1–36 sowie die Null. Die Zahlen sind nicht zufällig angeordnet – ihre Sequenz folgt einer mathematischen Logik, die benachbarte Zahlen so verteilt, dass hohe und niedrige Werte, rote und schwarze Felder sowie gerade und ungerade Zahlen alternieren.

Die klassische europäische Kesselsequenz lautet: 0, 32, 15, 19, 4, 21, 2, 25, 17, 34, 6, 27, 13, 36, 11, 30, 8, 23, 10, 5, 24, 16, 33, 1, 20, 14, 31, 9, 22, 18, 29, 7, 28, 12, 35, 3, 26. Der amerikanische Kessel fügt eine Doppelnull (00) hinzu – damit 38 Felder – und ordnet sie in anderer Sequenz an.

Kessel-Sektoren und Spiel nach Kessellage

Kasinos bieten häufig Einsätze auf Kessel-Sektoren an, die auf der räumlichen Position der Zahlen basieren, nicht auf den Tableau-Feldern. Die bekanntesten Sektoren:

  • Voisins du Zéro 17 Zahlen rund um die Null (22–25 über 0): 22, 18, 29, 7, 28, 12, 35, 3, 26, 0, 32, 15, 19, 4, 21, 2, 25. Belegt 9 Chips.
  • Tiers du Cylindre 12 Zahlen gegenüber der Null: 27, 13, 36, 11, 30, 8, 23, 10, 5, 24, 16, 33. Belegt 6 Chips.
  • Orphelins 8 Zahlen in zwei Gruppen, die nicht zu Voisins oder Tiers gehören. Belegt 5 Chips.
  • Jeu Zéro Vereinfachte Version der Voisins: 7 Zahlen um die Null, 4 Chips.

Einsatzarten und ihre Auszahlungen

Roulette unterscheidet zwischen Inside-Bets (Einsätze auf einzelne Zahlen oder kleine Gruppen) und Outside-Bets (Einsätze auf große Zahlengruppen). Die Auszahlungen spiegeln die Wahrscheinlichkeiten wider – bei europäischem Roulette stets einschließlich des Nachteilsfaktors der Null:

Einsatz Abdeckung Auszahlung Gewinnwahrsch.
Plein (Einzelzahl) 1/37 35:1 2,7 %
Cheval (2 Zahlen) 2/37 17:1 5,4 %
Transversale (3 Zahlen) 3/37 11:1 8,1 %
Carré (4 Zahlen) 4/37 8:1 10,8 %
Sixain (6 Zahlen) 6/37 5:1 16,2 %
Douzaine / Kolonne (12 Zahlen) 12/37 2:1 32,4 %
Einfache Chance (18 Zahlen) 18/37 1:1 48,6 %

Europäisches vs. Amerikanisches Roulette

Der entscheidende Unterschied liegt in der Doppelnull: Das europäische Roulette hat 37 Felder (0–36), das amerikanische 38 Felder (0, 00, 1–36). Diese eine zusätzliche Zahl verdoppelt annähernd den Hausvorteil:

Europäisches Roulette

2,70 %

37 Felder

Regel La Partage: halber Einsatz zurück bei 0 auf einfache Chancen → Hausvorteil sinkt auf 1,35 %.

Amerikanisches Roulette

5,26 %

38 Felder

Doppelnull verdoppelt den Hausvorteil annähernd. Einige Tische bieten auch einen Fünf-Zahlen-Einsatz (0, 00, 1, 2, 3) mit 7,89 % Hausvorteil.

Kein Setzsystem verändert den Erwartungswert. Die einzige Stellschraube liegt in der Regelwahl — europäisch statt amerikanisch, La Partage wenn verfügbar.

Setzsysteme: Analyse und Grenzen

Zahlreiche Setzsysteme wurden entwickelt, um den Hausvorteil zu überwinden. Mathematisch ist keines davon langfristig erfolgreich – da der negative Erwartungswert jeder Wette bestehen bleibt, unabhängig von der Einsatzfolge. Dennoch haben diese Systeme erhebliche historische und theoretische Bedeutung:

  • Martingale Verdopplung nach jedem Verlust. Theorie: ein Gewinn deckt alle Verluste. Praxis: begrenzte Tischbegrenzungen und exponentiell steigende Einsätze machen das System bei Verlustserien nicht durchführbar.
  • Fibonacci Einsatzfolge nach der Fibonacci-Sequenz (1, 1, 2, 3, 5, 8…). Moderatere Steigerung als Martingale, aber gleiches strukturelles Problem bei anhaltenden Verlustserien.
  • D'Alembert Einsatz nach Verlust um eine Einheit erhöhen, nach Gewinn um eine Einheit reduzieren. Langsamere Progression, geringeres Runout-Risiko – negativer Erwartungswert bleibt.
  • Paroli Umgekehrte Martingale: Einsatz verdoppeln nach Gewinn. Zielt auf kurze Gewinnserien. Verlustrisiko bleibt auf die ursprüngliche Einheit begrenzt.
Hausvorteil Roulette: Europäisch vs. Amerikanisch 8% 6% 4% 2% 2,7% 5,26% Einf. Chance Douzaine Carré Plein 7,89% Fünf-Zahl Europäisch Amerikanisch

Geschichte des Roulettes

Die genaue Herkunft des Roulettes ist umstritten. Einige Historiker sehen den Ursprung im frühen 18. Jahrhundert in Frankreich – möglicherweise inspiriert durch den Naturwissenschaftler Blaise Pascal, der im 17. Jahrhundert an einem Perpetuum-Mobile forschte und dabei das Prinzip des rotierenden Rads untersuchte. Gesichert ist, dass das Spiel um 1796 in Paris beschrieben wurde, mit einem Rad, das 36 rote und schwarze Felder sowie eine grüne Null enthielt.

Die Brüder Blanc führten das europäische Einzel-Null-Rad 1843 in Homburg (Deutschland) ein, um mit anderen Kasinobetreibern zu konkurrieren. Als Deutschland das Glücksspiel in den 1860er-Jahren einschränkte, übersiedelten sie nach Monte Carlo, wo das europäische Roulette seinen legendären Status als Symbol für Eleganz und Spannung erlangte.